Schutz vor tödlichen Keimen: Neue Ansätze gegen Antibiotikaresistenzen

Politik, Wissenschaft und Wirtschaft diskutieren Strategien zur Prävention und zur Entwicklung neuer Antibiotika

Berlin, 29.01.2026 – Antimikrobielle Resistenzen (AMR) zählen zu den größten globalen Gesundheitsrisiken. Bei einer Veranstaltung im Axel Springer Journalistenclub, organisiert von Essity unterstützt durch Politico, diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft konkrete Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung vor tödlichen Keimen. Im Fokus standen Prävention, Infektionsschutz, Antibiotic Stewardship sowie neue Anreizmodelle für die Entwicklung und Finanzierung lebenswichtiger Antibiotika.

Dr. Franziska Kersten, MdB (SPD), Obfrau im Ausschuss für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat und Co-Vorsitzende des Parlamentskreises AMR, erläuterte, warum neue Antibiotika bislang kaum wirtschaftlich entwickelt werden: Insbesondere Reserveantibiotika sollen zur Verzögerung der Resistenzbildung nur selten eingesetzt werden, was den Markt für diese Medikamente stark einschränkt. Zwar gebe es bereits Forschungsförderungen, etwa über internationale Initiativen wie GARDP, und mit dem EU-Vouchersystem erste marktbasierte Anreize. Es fehle jedoch weiterhin an der nötigen kohärenten europäischen Gesamtstrategie, da einzelne Mitgliedstaaten diese Aufgabe finanziell und strukturell nicht allein bewältigen können.

Simone Borchardt, MdB, gesundheitspolitische Sprecherin der CDU/CSU und Mitglied im Parlamentskreis AMR, betonte die Herausforderungen für die Privatwirtschaft. Notwendig seien neue Finanzierungs- und Anreizmodelle, die nicht allein auf Verkaufszahlen von Antibiotika beruhen. Staatlich unterstützte Forschung, eine mengenunabhängige Vergütung der Bereitstellung resistenzbrechender Antibiotika und der Einsatz alternativer Behandlungsansätze wie die Phagentherapie seien Elemente einer langfristigen Vorsorgestrategie gegen AMR.

Dr. Stephan Pilsinger, MdB (CSU), stellvertretender Vorsitzender des Gesundheitsausschusses, unterstrich die Bedeutung von Reserveantibiotika für die Behandlung schwerer Infektionen mit multiresistenten Keimen die häufig in einer Sepsis münden. Diese Medikamente müssten jederzeit verfügbar sein, auch wenn sie nur selten eingesetzt werden. Antibiotikaresistenzen seien keine schleichende, sondern eine akute Bedrohung, die schnelles und wirksames medizinisches Handeln erfordere. Für diese Legislaturperiode kündigte Pilsinger an, sich zunächst auf kurzfristig umsetzbare Maßnahmen zu konzentrieren, unter anderem im Kontext der geplanten Streichung der Leistungsgruppe „Infektiologie“ im Krankenhausreformanpassungsgesetz und einer breiten Auslegung des angekündigten Präventionsgesetzes.

Prof. Dr. Irit Nachtigall, Direktorin des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin im Vivantes Netzwerk für Gesundheit, machte auf Defizite im verantwortungsvollen Einsatz von Antibiotika aufmerksam. Diese gehe Hand in Hand mit einer wirksamen Infektionsprävention durch hohe Impfquoten und konsequente Hygienemaßnahmen, insbesondere im stationären Umfeld.

Abschließend waren sich die Teilnehmenden einig, dass neben der Entwicklung neuer Antibiotika auch Medizinprodukte und Infektionsprävention stärker berücksichtigt werden müssen. Bedauert wurde zudem das Fehlen eines Unterausschusses „Globale Gesundheit“, der auch dem Thema AMR mehr parlamentarische Aufmerksamkeit verschaffen könnte.

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